Beim Online-Symposium am 23.01.2026 kam es zu einem spannenden Austausch zwischen den Fremdsprachendidaktiken zu literarischem Lernen in und mit VR. Die vier Vorträge spannten den Bogen auf von theoretischen Überlegungen über die Hochschullehre bis hin zu unterrichtspraktischen Konzepten.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Anja Ballis (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, LMU München) mit einem Vortrag zum Thema „Die doppelte Gegenwart: Leiblichkeit und Inter-Realität in immersiven VR-Räumen“. Darin beschäftigte sie sich, bezugnehmend auf philosophische Theoretiker und die Phänomenologie, mit dem Erleben von Virtual Reality im Kontext literarischer Erfahrungen: Was genau ist „Präsenzerleben“ und wie bildet sich ein Bewusstsein der Gegenwart während einer VR-Erfahrung? Sie stellte eigens entwickelte Termini zur Diskussion und illustrierte diese am Beispiel qualitativer Erhebungen mit Schüler*innen.

Darauf folgte ein Vortrag von Dr. Natascha Rempel (Leibniz Universität Hannover, Literatur- und Kulturwissenschaften/Hispanistik), in dem sie zwei hochschuldidaktische Lehrkonzepte vorstellte. Ein Anliegen dabei war, Methoden der klassischen Literaturanalyse auf VR-Erfahrungen zu übertragen und mit Studierenden gezielt die Wechselwirkungen von emotionalem Erleben und literarischen Erfahrungswelten zu reflektieren. Dabei wurden verschiedene 360° Videos erkundet und mit literarischen Werken kontextualisiert, z.B. der 360°-Film Origen (2023) von Emilia Sánchez Chiquetti. Anschließend erstellten Studierende selbst 360° Videos, die auf YouTube zu sehen sind.

Als drittes präsentierte Dr. Lisa König (PH Freiburg, Institut für deutsche Sprache und Literatur, Zentrum für didaktische Hochschulforschung) einen Vortrag mit dem Titel „Literarisches Lernen neu denken in und mit Virtual Reality in der Primar- und den Sekundarstufen“. Ausgehend von kognitiven Verstehensprozessen und literarischen Kompetenzmodellen zeigte sie auf, wie und für welche Ziele literaturbezogene VR-Erfahrungen fachdidaktisch eingesetzt werden können. Dies demonstrierte sie beispielhaft am VR-Märchen „Moss“, der erlebnisbasierten VR-App „Anne Frank House“ und der Graphic-Novel-Adaption „Wolves in the walls“.

„Wolves in the walls“ spielte auch im letzten Vortrag eine Rolle, in dem Prof. Dr. Theresa Summer und Rebecca Flämig (Fachdidaktik Englisch, Otto-Friedrich-Universität Bamberg) „VR trifft Bilderbücher: Immersive Storyworlds“ vorstellten. Darin präsentierten sie, wie Bilderbücher und VR im Fremdsprachenunterricht für eine kreativ-kritische Auseinandersetzung verwendet werden können. Als zweites Beispiel stellten sie mithilfe eines Autorentools (AR2VR) selbst erstellte VR-Umgebungen vor, die basierend auf Bilderbüchern zur Auseinandersetzung mit literarischen Welten anregen können.

Die vier spannenden Vorträge waren ergänzt durch anregende Diskussionen mit den über 30 Teilnehmenden, bei denen sich auch potenzielle Synergien und Kollaborationen andeuteten.

Text: Claudia Schnellbögl & Jennifer Wengler, Universität Bamberg & Leibniz Universität Hannover