Im Kontext des 39. Romanistiktags an der Universität Konstanz wurde das RomLab „Beyond Wor(l)ds: Literatur_Didaktik_Virtual Reality“ in Form eines interaktiven Workshops angeboten, der eine Brücke zwischen Literatur- und Kulturwissenschaften, Fremdsprachendidaktik sowie immersiver Technologie geschlagen hat. Unter der Leitung von Dr. Jennifer Wengler (Leibniz Universität Hannover, Didaktik der romanischen Sprachen) und Dr. des. Natascha Rempel (Leibniz Universität Hannover, romanische Literatur- und Kulturwissenschaften) widmete sich das ganztägige Programm der Frage, wie virtuelle Realität neue Rezeptionsformen von Texten und erweiterte Lern- und Lektüreerfahrungen ermöglichen kann. Der Workshop richtete sich an Romanist:innen aller Teildisziplinen, insbesondere an Fremdsprachendidaktiker:innen und Literaturwissenschaftler:innen, die den Einsatz von VR in der Hochschullehre und im Fremdsprachunterricht praktisch erkunden und theoretisch bespiegeln wollten. 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, in der die Teilnehmenden aus der Italianistik, Hispanistik, Frankoromanistik und dem Berufsschullehramt ihre Motivation und bisherigen Berührungspunkte mit immersiven Medien austauschten, eröffnete Jennifer Wengler den Vormittag mit einem historischen Abriss über Virtual-Reality-Entwicklungen und führte in den Stand der Fremdsprachenforschung zum Einsatz und dem Potenzial von VR in Lehrkontexten ein. Weiterführend wurden bisherige VR-Lehr- und Forschungsprojekte des Romanischen Seminars der Leibniz Universität sowie das aktuelle Forschungsprojekt der Organisatorinnen Beyond Wor(l)ds vorgestellt, welches gezielt Synergien zwischen Literatur, Didaktik und Virtual Reality herzustellen versucht. Merlin Dennis Petry, Lehramtsstudent und Hilfskraft am Romanischen Seminar, führte im Anschluss unter Rückgriff auf das durch die Reinhardt-Frank-Stiftung geförderte studentische Projekt „VR-Bildungsbrücke“ in die technische Handhabung der zur Verfügung gestellten VR-Systeme ein. Die Teilnehmenden konnten so in verschiedene virtuelle Welten eintauchen und VR erstmalig erproben. Dabei wurden u. a. die Anwendungen First Contact und Anne-Frank-House exploriert, die zu einer anregenden Diskussion über historische Erfahrungshorizonte, Authentizität von Lehr-/Lernmaterialien und immersiver Perspektivübernahme führten. Natascha Rempel stellte danach die Seminarkonzepte der im Rahmen von Beyond Wor(l)ds durchgeführten Lehrveranstaltungen vor, die literarische und interkulturelle Lernprozesse mit 360°-Erfahrungen verschränkt haben.

Über die Rezeption von 360°-Videos aus studentischen Projekten erhielten die RomLab-Teilnehmenden Einblicke in das kreative Potenzial der VR-Literaturdidaktik und konnten sich vor Ort mit der Handhabung von 360°-Kameras vertraut machen. Ein weiterer Programmpunkt führte die Gruppe auf virtuelle Reise an Orte aus literarischen Werken: Mithilfe der App Wander erkundeten die Teilnehmenden reale Schauplätze unterschiedlicher romanistischer Literaturen. Ergänzt wurde die Einheit durch Ansätze des Virtual Reality Linguistic Landscaping und freie Hands-on-Phasen. Am Nachmittag stand mit der gemeinsamen Rezeption des interaktiven VR-Dokumentarfilms We exist, we resist (2023) der venezolanischen Visual-Storytellerin Mariana Cardenas ein eindrucksvolles Beispiel für VR als künstlerisches Medium gesellschaftlicher Reflexion im Fokus. Der preisgekrönte Dokumentarfilm verbindet feministische Kunst und immersive Narration und wurde in Zusammenhang mit dem Sustainable Development Goal 5 (Gender Equality) besprochen. Den Abschluss des Workshops bildeten Beiträge zur Zukunftsperspektive von VR (und KI) in der Romanistik: Julian Webb, Lehramtsstudent und Hilfskraft am Romanischen Seminar, präsentierte eine im Rahmen seiner Masterarbeit selbst entwickelte VR-App, die künstliche Intelligenz zur adaptiven Sprachinteraktion wie auch zum kulturellen Lernen nutzt. Der Workshop schloss mit einem gemeinsamen Brainstorming zu eigenen (Forschungs‑)Ideen und den Einsatzmöglichkeiten von VR in Lehre und Forschung in den jeweiligen Fachbereichen.

Das RomLab Beyond Wor(l)ds hat verdeutlicht, wie immersives Lernen neue Räume für romanistische Forschung und Lehre eröffnen kann, in denen Sprache, Kunst und Kultur buchstäblich erfahrbar werden. Die Teilnehmende haben die inspirierende Kombination aus theoretischen Inputs, praktischen Erprobungsphasen und kollegialem Austausch lobend herausgestellt. Darüber hinaus wurde die interdisziplinäre Verschränkung von Literatur- und Kulturwissenschaften, Fremdsprachendidaktik, Medienpädagogik und Technologieentwicklung wertgeschätzt.

Weiterführende Informationen zum Projekt und Videobeispiele studentischer Projekte finden sich auf dem YouTube-Kanal des Romanischen Seminars der LUH sowie auf der Projektseite von Beyond Wor(l)ds. Bei Fragen rund um das Thema VR können Sie die Organisatorinnen jederzeit gerne kontaktieren. 

Text: Jennifer Wengler & Natascha Rempel, Leibniz Universität Hannover